deutsch – Los Superdemokraticos http://superdemokraticos.com Mon, 03 Sep 2018 09:57:01 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.8 Spanisch verstehen http://superdemokraticos.com/themen/globalisierung/spanisch-verstehen/ Wed, 21 Mar 2012 10:57:00 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=6316 Unsere Übersetzerinnen der Agentur In-Kult ziehen ein Fazit: Übersetzungsschwierigkeiten, Herausforderungen, Ansprüche und Fehlerteufel beim Hin und Her zwischen den Sprachen Spanisch und Deutsch.

In einem fremden Land lernt man mit vielerlei Dingen zurechtzukommen, ohne sie nachvollziehen zu können. Man weiß wie das System funktioniert, oder wie es gerne funktionieren würde. Man lernt nette Gesten und nicht ganz so nette Gesten voneinander zu unterscheiden. Man lernt Ironie zu verstehen und Witze zu kapieren. Aber es werden immer genug Dinge übrigbleiben, die einfach komplett unbegreifbar sind. Wenn man als Übersetzerin arbeitet, setzt man sich damit auseinander, mit den verschiedensten Ausdrücken, Sätzen oder Wortspielen, die ungefähr zwei Seiten Erläuterung benötigen würden, um sie in all ihren Bedeutungen übersetzen zu können.

Natürlich, das ist die Essenz einer Sprache, und genau darum geht es: zu übersetzen, aber es gibt immer wieder Sätze, die wesentlich weiter vom Original entfernt sind als andere. Hier sind ein paar Beispiele, die wir bei der Übersetzung der LSD-Texte durchlebt haben:

„La felicidad“, man hört es in fast jedem spanischen Lied. Bekannt, aber unübersetzbar bleibt dieses Wort für uns, weil wir uns jedes Mal für ein Teil seiner Bedeutung entscheiden müssen. Glück, Glücksgefühl, Glücklich-Sein, aber als eigenständiges Substantiv. „La felicidad“ ist ein Lebenseinstellung, ein Lebensziel… das oberste Ziel des Lebens sogar, und Glück scheint im Deutschen eher zufällig und vorübergehend.

So wie wir es in Deutschland ganz oft vermeiden müssen, einige hier rassistisch konnotierte Ausdrücke zu benutzen, wegen der Vergangenheit, der Geschichte, werden in einigen Länder in Lateinamerika solche Wörter so leichtfertig benutzt, dass man Bauchschmerzen kriegt, und das ebenfalls wegen der jeweiligen Geschichte. Nach der Kolonialisierung und allen Unabhängigkeitskriegen werden einige Wörter wie „Schwarz“ oder „Rasse“ sogar in einem positiven Sinn benutzt. „Negrito“, „Schwärzchen“, kann ein liebevoller Kosename sein und ein „escritor de raza“ ist weniger „Rassen-Schriftsteller“ als ein Schriftsteller aus Berufung.

Soziale Zusammenhänge, die einige Witze, Ironie oder einfache Beschreibungen ausmachen, müssen für den Leser bekannt sein, um alles verstehen zu können. Die Frage, die sich uns immer stellte, war: Inwieweit kann man einen interessierten, gebildeten Leser voraussetzen, ohne einen zu elitären Anspruch an die Leserschaft zu haben? Vielleicht kennen die meiste deutsche Leser des Blogs Borges, aber kennen sie auch Cortázar oder Facundo Cabral? Wissen sie von der Herkunft Evo Morales‘ oder warum er immer diese Ponchos trägt? Wie weit müssen wir ausholen, um einen Piropo verständlich zu machen? Haben die argentinischen Leser von dem Guttenberg-Skandal gehört? Oder die kolumbianischen Leser schon etwas über Hartz VI gelesen? In einem Blog ist es ja möglich immer ein Link zu setzen, aber müssen wir dann die Leser so behandeln, als ob sie nicht selber recherchieren können?

Es ist immer schwierig, zwei Welten zusammenzubringen, zwei Sprachen, mit all ihren Dialekten, Soziolekten und Feinheiten, aber dass ist die Aufgabe, der wir uns als Übersetzerinnen gestellt haben. Die Dynamik eines Blogs, technische Schwierigkeiten, internetfreie Zone, der Zeitdruck einer Live-Berichterstattung wie von den beiden Buchmessen – Frankfurt und Guadalajara – und der Stil einiger Autoren waren die besten Freunde der niedlichen, kleinen Fehlerteufel. Dennoch haben wir uns über Ozeane hinweggesetzt, Diskurse über-setzt und mit „Los Superdemokraticos“ und dank dem Internet zeitgenössische Autoren aus Lateinamerika und Deutschland so zeitnah und interaktiv zusammengebracht, wie es vorher noch nie der Fall war.

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Wie schreibt man Danke auf Ungarisch? http://superdemokraticos.com/danke/wie-schreibt-man-danke-auf-ungarisch/ Fri, 21 Oct 2011 08:23:19 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=5420

Wir hatten Glück: Wir fanden die Cartonera von Budapest auf dem Burgberg.

Köszönöm.

Unser Haus erweitern. Die Ost-Front öffnen und mit den beiden Sprachen, die wir haben, versuchen, mit anderen Sprachen, anderen Kulturen zu kommunizieren. Ja, so könnte es  sein. Wäre schön. Ungarisch ist eine wirklich komplizierte Sprache, und dennoch kann sich heute niemand mehr nirgendwo fremd fühlen: Teile eine Donnerstagnacht, trink Wein in Debrecen, unterhalte dich auf Deutsch und höre im Hintergrund die Fabulosos Cadillacs… Das ist die globalisierte Welt! Egészségünkre! (Für eine original ungarische Erfahrung empfehlen wir: ein Schnapsglas halb voll Rum, halb voll Wodka, eine Zitronenscheibe, braunen Zucker auf der Zitronenscheibe, den Zucker anzünden, warten bis er karamelisiert und dann wie Tequila trinken. Juci Wodka, das Beste, um den Kopf zu verlieren.)

In unserem Körper bleibt ein positives Gefühl, wir haben uns in die Tomaten verliebt und in dieses liebenswürdige Land. Sind glücklich darüber, dass wir an der Universität von Debrecen, am Institut für Germanistik sein durften und die dortigen Studenten treffen konnten. Wir hätten gerne mehr Zeit gehabt, um sie besser kennen zu lernen, um noch mehr mit ihnen zu lachen, so wie mit unseren Stadtführerinnen Kitti und Judit.

Aus dem Hauptquartier von Los Superdemokraticos in Berlin senden wir unseren herzlichsten Dank an Barbara Eder und Krisztina Kovacs, die Dozentinnen und Verantwortlichen für die Ideen und Koordination der kulturellen Aktivitäten des Instituts.Vielen Dank auch an unseren deutschen Verlag, den Verbrecher Verlag, für seine Unterstützung, an die Universität, dass sie uns ihre Türen öffnete und natürlich auch an das Deutsche Kulturforum Debrecen für seine Mithilfe. Wir hoffen sehr, euch alle bald wiederzusehen!

Übersetzung: Barbara Buxbaum

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Mit unserer Berliner Schnauze… http://superdemokraticos.com/laender/deutschland/mit-unserer-berliner-schnauze/ http://superdemokraticos.com/laender/deutschland/mit-unserer-berliner-schnauze/#comments Thu, 01 Sep 2011 07:03:33 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=5023 Ich beginne dieses Editorial mit dem körperlichen Drang, einen Spaziergang über ein Minenfeld machen zu wollen. Es liegt nicht daran, dass ich nicht genauestens definieren könnte, wie das Bild des typischen Deutschen im spanischsprachigen Raum, möglicherweise sogar weltweit, ist. Nein, ganz im Gegenteil, seit 14 Jahren beantworte ich immer wieder dieselben Fragen. Aber wenn alles so kalt ist, wie man denkt, so strikt, so rassistisch, wenn die Sprache unaussprechlich ist und den Deutschen jeglicher Sinn für Humor fehlt – warum tue ich mir das dann an? Warum bleibe ich? Warum lebe ich hier?

Die Welt, zumindest meine Generation, hat ein Bild von Deutschland, für das nicht die Deutschen selbst, sondern die US-Amerikaner verantwortlich sind. Deshalb ist „Heil Hitler“ wohl das erste, was ein Deutscher in meinem Land als Grußformel hören wird. Das liegt einerseits an der totalen Unkenntnis der deutschen Geschichte und andererseits an den Hollywood-Filmen, durch die dieses Klischee am Leben erhalten wird. In meinem Fall wird die Tatsache, mich in einer so verzwickten Sprache verständigen zu können, als eine hervorragende Leistung angesehen, da außer für Philosophiestudenten Deutsch in den meisten westlichen Ländern seit langem keine Weltsprache mehr ist.

Die Deutschen haben nicht gerade den Ruf freundlich zu sein, nicht einmal innerhalb Europas. Daher kommt es auch, dass sich bei der Zunahme an Inner-EU-Beziehungen, Englisch langsam als die Sprache unter den jungen Leuten aufdrängt, auch in den Straßen Berlins. Niemanden kann das spektakuläre Scheitern der „Blauen Karte“ verwundern, einer limitierten und bürokratischen Version der US-amerikanischen Green Card, mit welcher die Deutschen eine Zeit lang versuchten, das Profil der Migranten zu verbessern, die in die Bundesrepublik Deutschland kommen.

Hier in Deutschland wartet ein Großteil der Gesellschaft diskursiv darauf, dass ihre Migranten sich integrieren, aber die Mehrheit der darauf ausgerichteten Programme prallen auf dieses Gefühl der autarken Überlegenheit, die von Anfang an jegliche produktive Annäherung verhindert. Von der Regierung angebotene Sprachkurse sind hierfür das anschaulichste Beispiel: Sie sind nicht dazu gedacht, die Neugier derjenigen, die aus Interesse an der Kultur hierherkommen, zu stillen. Es scheint, als wäre es für die Deutschen absolut unbegreiflich, wie jemand, der seine fünf Sinne beisammen hat, die Entscheidung treffen könne, dieses Land besser kennenzulernen, etwas darüber zu lernen. Die Integration auf dem Arbeitsmarkt zielt darauf ab, die Migranten in die Dienstleistungskette zu integrieren anstatt sie als Individuen zu akzeptieren. Es scheint so, als ob die Regierung oder die Gesellschaft selbst nicht in der Lage seien, den Intellekt der Neuankömmlinge anzuerkennen und zu akzeptieren, und das, obwohl unsere Generation hier auch weltoffen ist. Die Regierenden repräsentieren uns nicht.

Deshalb soll das Bild, das wir als Los Superdemokraticos über Deutschland zeigen wollen, das genaue Gegenteil der klassischen Klischees sein, die dieses Land und seine Traumata verfolgen. Los Superdemokraticos sind ein weiterer Beweis dafür, ebenso wie die Initiative junger mehrsprachiger Deutscher DeutschPlus oder der Zusammenschluss Neue Deutsche Medienmacher, dass sich Thilo Sarrazin und viele andere rechtspopulistische Politiker täuschen, wenn sie versuchen, uns davon zu überzeugen, dass die Integration gescheitert ist oder dass der eigentümliche deutsche Charakter unerschütterlich ist. Denn wenn das so wäre, würde Kreuzberg nicht existieren, aber es existiert. Unsere alternative deutsche Gesellschaft ist reich an Erfahrungen, an Facetten, an Akzenten und erfüllt von einer menschlichen Wärme, die jeden überrascht. In unserem Kontext existieren nur Bürger, die gemeinsam eine neue Gesellschaft erschaffen, in der Lachen zum Tagesgeschäft gehört und Deutsch unsere lingua franca ist.

Im September, im Monat der Wahlen in Berlin, schreiben unsere Autoren über die verschiedenen Aspekte des Deutschseins und des Bildes, das dieses Land inne hat. Damit wollen wir dazu beitragen, dass sich die Missverständnisse auflösen. Das Deutsch, das wir sprechen, ist intelligent und unterhaltsam, auch wenn es grammatikalisch nicht immer perfekt ist. Die „Berliner Republik“, die wir repräsentieren, ist jung, multikulturell und weltoffen. Sie hat Regierende verdient, die wacher und in der Lage sind,sie zu verstehen. Wir denken nicht daran, unsere Berliner Schnauze zu halten …

Übersetzung: Barbara Buxbaum

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Auf die eigene Stimme verzichten http://superdemokraticos.com/laender/deutschland/auf-die-eigene-stimme-verzichten/ http://superdemokraticos.com/laender/deutschland/auf-die-eigene-stimme-verzichten/#comments Wed, 03 Nov 2010 15:15:57 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=3110 Vier Monate lang war ich ein Architekt der Wörter. Ich war mir dessen natürlich nicht von Anfang an bewusst: eine Besprechung Ende Mai in einem Berliner Café, ein Projekt, das noch in den Kinderschuhen steckte, die Gründungsversammlung von den Superdemokraten, während der Arbeit und Autoren an Menschen verteilt wurden, die mir bis dahin unbekannt waren, Weizenbier und gelegentlich eine Zigarette. Chronogramme, Nachnamen, die Monatsthemen, Postadressen, Protokolle, Abgabefristen.

Und ein immenses Brachland, das bebaut werden konnte.

(Es sollte nicht das einzige in diesem Sommer sein. Aber das erfuhr ich erst später.)

Von diesem Tag an begann ich – ohne es zu wissen – meinen Beruf umzustrukturieren. Seit 10 Jahren bin ich Söldner der Wörter. Redakteur nennen sie das. Fernsehredakteur, Redakteur von Werbung – weil man die Wahrheit verschleiert, wird es kreativ genannt –, Online-Marketing-Redakteur, Redakteur von Inhalten. Wie alle Redakteure verkleiden wir unseren Stand mit dem Wunsch, Schriftsteller zu sein. Dem Wunsch, diesen Roman, der voller Ekel in einer Schublade neben unzähligen Ablehnungen von Verlagen schläft, zu veröffentlichen. Ablehnungen von Verlagen, die sich nicht einmal die Mühe gemacht haben, ihn aufzuschlagen. Briefe voll leerer Worte. Immer wieder die Worte.

Von Juni an verwandelte ich mich in einen Architekten. Unbeabsichtigt. Zuvor hatte ich Nichtigkeiten und formlose Romane, Artikel und Sätze übersetzt: jener Teil vom Universum, der mir entsprach; und über meinem Kopf hingen die Worte eines toten Mannes. Stefan Zweig, der neben seiner eigenen fünf weitere Sprachen lernte, verteidigte die Übersetzung als einen notwendigen Schritt für den Schriftsteller. Einem Werk dienen, sagte er:Wenn ich heute einen jungen, noch unsicheren Schriftsteller über den Weg beraten müsste, den er einschlagen soll, würde ich versuchen, ihn davon zu überzeugen, zunächst als Schauspieler oder Übersetzer eines größeren Werks zu dienen.

Und ich, da ich nicht die Gewohnheit habe, den Toten zu widersprechen, machte mich zum Architekten, weil es meine Arbeit wurde, Brücken zwischen Sprachen zu bauen.

Ich lernte viele Dinge. Von den Autoren, die ich übersetzte. Von ihren Überlegungen. Von den immensen Unterschieden, die Welt wahrzunehmen, je nachdem, in welcher Sprache sich ihr Denken formte. Aber vor allen Dingen lernte ich von mir selber. Von der Demut, auf die eigene Stimme zu verzichten. Davon, im Akt der Übertragung von Worten anderer Menschen zu verschwimmen. Einen großen Teil meiner Arbeit machte ich diesen Sommer, während ich durch Spanien reiste. Viele tausende von Kilometern in wenigen Wochen. Aus dem Zugfenster sah ich Worte, Telegrafenpfähle und Waldbrände vorüberziehen. Ich verschwand von den Orten. Die Worte anderer trug ich immer mit mir herum. So sehr, dass ich mit den Worten von Claudia Rusch oder Nacho Vegas sprach, wenn ich mich mit meinen Freunden traf. Versteh, dass an diesen Ort ich nicht zu gelangen strebte, sagte ich, statt um ein Glas Wein oder das nächste Ticket für eine andere Stadt zu bitten.

Und dennoch, die Autoren begleiteten mich, und es war keine schlechte Gesellschaft. Nun verabschieden wir uns voneinander, und erneut bleibe ich mit meiner Stille und meinen Worten zurück. Es wird ein wenig dauern, bis ich mich wieder an meine Stimme gewöhnen werde. Aber letzten Endes geschieht im Leben alles oder fast alles auf eine andere Art und Weise.

Übersetzung: Marcela Knapp

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Die Nichtbesiedelung der weißen Flecken http://superdemokraticos.com/laender/deutschland/die-nichtbesiedelung-der-weisen-flecken/ Mon, 01 Nov 2010 14:59:49 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=3126 Halten Sie Kontakt zu Ihrer Brieffreundin in Paris! Nutzen Sie die automatische Übersetzung von Emails und Chats in Google Mail. (Text auf der Seite von Google Translate)

Der Regisseur von Star Wars, George Lucas, wurde einmal in einer deutschen Talkshow nach dem wichtigsten Satz seiner Trilogie gefragt. Als er antwortete „May the Force be with you“ verstand der Synchronübersetzer diesen Satz als „May, the Forth, we with you“ und sagte: „Am 4. Mai sind wir bei Ihnen“. Diese Anekdote, die uns das Blog Übelsetzt überliefert, ist nicht nur amüsant, sondern erhellender als jede Übersetzungstheorie. Mit einer Übersetzung, sei sie richtig oder falsch, entsteht eine neue Realität, auf einmal befinden wir uns in einem Macht- oder in einem Mai-Diskurs.

Im Deutschen trägt das Verb „übersetzen“ eine Bewegung in sich: das Übersetzen auf einem Boot von einem Ufer an das andere. Wer das Boot steuert, bestimmt, wo am Ufer angelegt wird, entscheidet sich für eine Richtung. Übersetzer sind Bootsführer, Skipper, Seeleute, die Untiefen, Unschärfen und Unbestimmtheiten umschiffen müssen. Sie glauben weniger an Karten als an Intuition, weil sie weiße Flecken einfach weiße Flecken nennen.

Die Superdemokraten wären nicht zwischen drei Kontinenten (Amerika, Europa, Asia) hin- und hergereist, hätte es nicht unser Skipperteam gegeben: Anne Becker, Barbara Buxbaum, Marcela Knapp, Ralph del Valle und Rery Maldonado, unermüdlich die Gezeiten beobachtend, Routen definierend, Ausschau haltend nach dem Ein- und Ausgang im Hafen, auch Emailpostfach oder Blogartikel-Liste genannt. Wir haben sie gebeten aufzuschreiben, was sie auf ihren Unternehmungen erlebt haben. In den nächsten Tagen veröffentlichen wir ihre Texte, denn sie sind nicht nur die unsichtbaren Geister, die den Essays ihre Stimmen geliehen haben, sondern sie sind die Seelen unseres Blogs: Übersetzen ist eine Kraft, und die Kraft war mit uns. Google brauchen wir nur für Suchbewegungen, nicht für Text-Trips.

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Völker dieser Welt, schaut auf mich! http://superdemokraticos.com/themen/globalisierung/volker-dieser-welt-schaut-auf-mich/ Fri, 01 Oct 2010 13:29:14 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=2447 Seit drei Wochen weiß die Welt, wo ich wohne. Nicht, weil ich es ihr gesagt hätte – ich bin lediglich umgezogen und muss endlich nicht mehr diesen ganzen Quatsch machen mit „a rather big down in the Ruhr District, an industrial area north of Cologne“ (Kindheit, Dortmund) oder „a small city south of Hannover, in the center of the country“ (Hildesheim, Studium). Ich sage „Berlin“, die Welt sagt „Oh!“ Und dass man da ja selbst schon im Rahmen einer Europareise die Mauer/die Clubs etc …

An sich ist es herrlich. Man tritt auf die Straße und alle Coolnessprobleme, die man als erdverbundener Kleinstädter in der Vergangenheit mit sich selbst zu diskutieren hatte, sind gegessen. Man ist qua Wohnort nun aufgestiegen zu einem weltgewandten, leicht fatalistischen Stadtbewohner, der das unglaubliche Privileg hat, eine 1-Zimmer-Wohnung an jenem Ort, zu dem alles strebt, eigenhändig vollgemöbelt zu haben. Es hebt die Geister, die Kleinen und die Großen, der Welt dabei zuzusehen, wie sie vor der eigenen (meiner) Haustür im Gras sitzt und auf irgendwas wartet. (An besonders guten Tagen kommt es mir sogar so vor, als warte sie auf mich.)

An schlechten Tagen bin ich ich, wie ich mich kenne. An schlechten Tagen dulde ich keine Wichtigtuerei (außer meiner eigenen), dulde keinen betont zur Schau gestellten Müßiggang, dulde nicht die „eitle Omnipräsenz der Tagediebe“, die eine kluge Frau mal in meinem Beisein als solche labelte. Dann dulde ich auch nicht den interkulturellen Austausch, ich dulde nicht das betont-freundliche Klarkomm-Verhalten zwischen (deutschen) Medien- und (türkischen) Dönertypen (immer dieses Gezwinker!), und ich dulde nicht das Gespräch zwischen jungen Geisteswissenschaftlern aus aller Welt, das da – geführt in einem fließenden Spanenglesperanteutsch – eigentlich nicht mehr sagen möchte als: „Seht her, wir haben’s kapiert!“

Was haben diese Menschen – im Gegensatz zu mir und allen anderen, die gerne zu Hause geblieben wären, kapiert? Dass es in einer Welt der globalen Märkte – als Anreiz und Ausgleich – auch den globalen Austausch der Zivilisten braucht? Dass, wer die Dinge in ihren Zusammenhängen begreifen, die Zusammenhänge selbst nachvollziehen muss? Dass das Monadentum des alten Nationalstaats längst durch das Nomadentum der globalen Netze abgelöst ist? Selbiges hält die Welt zwar nicht im Innersten zusammen-, aber doch so fest umklammert, dass niemand aus diesem Mainstream ausbrechen kann und will – den Anschein erweckt Berlin, zumindest an Tagen, an denen ich schlecht gelaunt bin. Die progressiven Medientypen sprechen progressives Medientypenenglisch, die spanischen Austauschstudenten Austauschstudentenspanisch und immer wieder sitzt ein deutsches Kleinstadtkind dazwischen und ist selig über so viel Am-Puls-der-Zeit-sein und darüber, wie gut es mit seinem Schulenglisch und -spanisch doch mitplappern kann.

So sitzen dann alle am Kanal, während ich schlecht gelaunt vorbeiziehe, mürrisch, weil mein batterieschwacher MP-3-Player mich nicht mehr mit Thomas-Mann-Hörspielen vor den Emissionen dieser globalen Gemeinschaft schützt, die – da sprachlich dann doch etwas limitiert – sich meist auf Gespräche über Speisen, Reisen oder auf Reisen kennen gelernte Speisen beschränkt. Weil ich sonst nichts zu tun habe, frage ich mich dann zum 1000. Mal, was das soll, und sehne mich nach geordneten westdeutschen Kleinstadtverhältnissen: wo das deutsche Mittelschichtkind unter sich bleibt, um dort in Ruhe, von der Globalisierung ungestört und in bestem Deutsch die Probleme der Globalisierung erörtern zu können. Während am Kanal in Berlin deutsche Mädchen spanischen Mädchen von dänischen Jungs und lettischen WGs erzählen, vergieße ich eine Träne der Wehmut und denke an die Göttingens, Münsters und Freiburgs dieser Welt, in denen man(n) – ob in der Attac-Gruppe oder dem FDP-Ortsverein, ganz egal – so herrlich produktiv unter sich und seinesgleichen das Für und Wider einer globalen Finanzmarktsteuer abwägen kann.

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Die Internationalmannschaft http://superdemokraticos.com/editorial/die-internationalmannschaft/ http://superdemokraticos.com/editorial/die-internationalmannschaft/#comments Sun, 11 Jul 2010 22:31:22 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=449 Sorry, Jungs, sorry, Mädels, ich muss, solange es noch geht, ein bisschen über Fußball schreiben. Seit der letzten WM 2006, die in Deutschland stattfand und mit dem Slogan „Zu Gast bei Freunden“ beworben wurde, wundert sich nämlich bei uns niemand mehr über öffentlich zur Schau gestellte Deutschlandflaggen. Was 2006 noch überraschte, ist bei der WM 2010 Normalität geworden. Die überpräsente National-Beschmückung führt dazu, dass ich mich täglich mit Deutschland und mit meiner Rolle als so genannte Deutsche (Pass) beschäftige. Beschäftigen muss. Und das ist mir immer etwas unangenehm. Denn wie deutsch bin ich, wenn ich meine erste eigene Wohnung als Aupairmädchen in Frankreich bezog, meine erste totale Sonnenfinsternis in London sah, meine erste Vollnarkose in Ungarn erlebte, zum ersten Mal in Bolivien in einem glasklaren Fluss schwamm?

Als ich zur Schule ging und studierte, in den 80ern und 90ern, konnte ich die Fahnen, die ich in meinem Leben gesehen hatte, an einer Hand abzählen. Es gab sie einfach nicht. Es gab im Lexikon den Eintrag „Flagge“, neben allen Flaggen der Welt, aber sie wurde nicht aus ihrer Kiste geholt. Sie war ein abstraktes Staatssymbol. Manchmal hing sie an öffentlichen Gebäuden, auf Halbmast, bei Todesfällen internationalen Ausmaßes, oder am Masttop in EU-Kontexten. Wenn wir mit der Familie Urlaub in Dänemark machten, flatterte dort vor allen Holzhäuschen die dänische Flagge. Ich dachte: Unsere Flagge ist einfach hässlich, die dänische ist viel schöner. Bin ich also Dänin?

Und nun: Autos, Fenster, Balkons, Vorgärten, Vuvuzelas, ja sogar Körperteile (Arme, Beine, Wangen) sind beflaggt. Neulich sah ich, wie eine dicke Frau im Tigerprint-Kleid auf die solariumsbraune Glatze ihres Mannes ein Flaggentattoo auftupfte. Eine Glatze in Schwarz-Rot-Gold… Ich bin verwirrt: Woher kommt diese neue Flaggenliebe der Deutschen? Warum ist die ehemalige Verdruckstheit weg („Ich kann nicht stolz auf mein Land sein, nach all dem, was passiert ist“, das 6-Millionen-Argument, von dem auch Jo Schneider in seinem Essay spricht; die historische Verantwortung, die man als Deutsche/r mit sich trägt)? Warum male sogar ich mir eine Flagge auf den Arm? Sind wir alle geschichtsvergessen geworden?

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Die neue deutsche Fankultur hat vielleicht mit einer gemeinsamen, kollektiven Freude zu tun, weil Sommer ist, weil wir draußen auf der Straße zusammen herumschreien und -tröten, weil es Spaß macht, sich mit etwas zu identifizieren, weniger mit einem Nationalgefühl als mit Sportsmanship und mit flotten Männern (Yes, Ladies!). Weil die Nationalmannschaft zu einer Internationalmannschaft geworden ist, mit Spielern wie Mesut Özil, Boateng und Piotr Trochowski mit migrantischen Wurzeln, die jung sind, nach anderen Regeln spielen, nicht mehr hierarchisch aufgestellt sind, irgendwie nicht-deutsch wirken (wenn Biertrinken, Schwermut, Autoritätsgehorsam als „deutsch“ gelten). Weil sie jetzt niederländisch spielen – das sagen zumindest die Zeitungen.

Gleichzeitig werde ich wohl nie davon wegkommen, das Flaggen-Meer als irgendwie gefährlich einzuschätzen. Nationale Symbole tragen diese Ambivalenz in sich, diese Drohung, von der auch Gabriel Calderón spricht: „Die Geschichte / Immer zur Stelle, um in jedem Moment wieder aufzutauchen / Um mit aller Wucht in der Gegenwart einzuschlagen.“ Leider mischen sich nämlich vermehrt auch Neonazis unter die johlenden Fußballmassen.

Noch ambivalenter ist im Übrigen die deutsche Nationalhymne, die neuerdings auch wieder deutlich und öffentlich mitgesungen wird: Die Melodie stammt aus der Feder des österreichischen Komponisten Joseph Haydn. Er komponierte sie in Wien als Grundlage für die habsburgerische Kaiserhymne, basierend auf einem kroatischen Volkslied. Den Text hat der deutsche Dichter Heinrich von Fallersleben 1841 als „Deutschlandlied“ auf der damals britischen Insel Helgoland verfasst, und er handelt unter anderem von den Außengrenzen des im 19. Jahrhundert sehr uneinheitlichen deutschen Reiches, um die innere Zerrissenheit zu überspielen. Diese Insel in der Nordsee, die Deutschland nach dem ersten Weltkrieg gegen die Kolonie Sansibar tauschte, diente im Zweiten Weltkrieg als nördlichster U-Boothafen der Nationalsozialisten. Die Militärs durchlöcherten die Insel wie einen Schweizer Käse mit unterirdischen Bunkergängen, welche am Ende des Krieges in die Luft gesprengt wurden. Eine Hälfte der Insel brach ab und versank im Meer. Heute ist Helgoland ein Mekka für Birdwatcher (Trottellummen). Und gesungen wird nur noch die dritte Strophe – in der keine Grenzen vorkommen.

Ja, es geht um Details, wenn wir über Geschichte sprechen, allgemeingültige Symbole (Flaggen, Monumente) kann es eigentlich nicht geben. Ich glaube immer mehr, das wir nur Vorübergehende in der Gegenwart sind weniger als von der Vergangenheit bestimmte Existenzen; wir sind Passanten der Geschichte, Passanten in der Geschichte, mikroskopisch klein (wie Lena Zuñiga sagt), aber jeder an seinem Ort wichtig. Wo wir morgen sein werden, in welcher Geschichte, hängt von uns ab. Nicht von einer Flagge.

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Eine Jugend voller Schuld hat Folgen http://superdemokraticos.com/themen/geschichte/eine-jugend-voller-schuld-hat-folgen/ http://superdemokraticos.com/themen/geschichte/eine-jugend-voller-schuld-hat-folgen/#comments Tue, 06 Jul 2010 16:57:33 +0000 http://superdemokraticos.com/?p=424 Manchmal frage ich mich, was sich unsere Eltern wohl gedacht haben, wenn sie in den 80ern und 90ern im Kinder- und Jugendbuchladen nach neuen Kinder- und Jugendbüchern für uns Ausschau hielten? „Ui, ein Buch über einen 14-jährigen Flakhelfer, der in den letzten Kriegstagen getötet wird. Das nehmen wir!“ Und: „Oh, ein Buch über eine Zugfahrt nach Birkenau. Und am Ende sind alle tot. Das nehmen wir auch!“ Oder: „Oh lala, ein Buch über einen Widerstandskämpfer, der von der Gestapo zu Tode gefoltert wurde? Davon nehmen wir gleich drei.“

Was auch immer sie sich gedacht haben, sie haben mich früh zum Rechnen in Millionenbeträgen gebracht: 42.000 Zuschauer passten in das Stadion meiner Heimatstadt, ich stellte mir 1000 mal dieses Stadion vor, ausverkauft, 1000 Stadien aus der Luft, wie auf Kästchenpapier. Was Neunjährige halt so tun, wenn ihnen beständig gesagt wird: „Sechs Millionen!“

Dauerberieselung in Fragen einer monströsen „deutschen“ Schuld

Auf dem Gymnasium übernahmen die Geschichtslehrer: Ein konservativer zeigte uns den „Hitler“-Film von Joachim Fest und sich auch sonst recht überzeugt davon, dass es ohne das Charisma jener einen Person nie so weit gekommen wäre. Ein Marxist sprach viel von der Krise des Kapitalismus und den Verwicklungen des preußischen Großkapitals in Hitlers Aufstieg. Ein Intellektueller, dessen Frau Psychoanalytikerin war, las mit uns Klaus Theweleits „Männerphantasien“ und versuchte, uns von der verheerenden Rolle der preußischen Kadettenanstalten zu überzeugen. Welche Deutungsvariante auch vorgezogen wurde, eine westdeutsche Jugend in den 80ern und 90ern war stets düster eingefärbt: Es herrschte Dauerberieselung in Fragen einer monströsen, wenn nicht Kollektiv-, so doch eindeutig „deutschen“ Schuld.

Heute wird diese „schwarze Pädagogik“ gerne angeprangert, bevorzugt von jenen unheiligen Allianzen aus liberalen, libertären und nationalen Kräften, die sich auch gegen „Denkverbote“ stark machen und die „Diskriminierung“ derer geißeln, die keine „Maulkörbe“ mehr tragen wollen, „nur weil vor 70 Jahren …“. Wenn eine grenzdebile Nachrichtenvorleserin mit dem „Man muss auch mal sagen dürfen …“-Timbre in der Stimme die Olympischen Spiele von 36 für ihre perfekte Organisation lobt (ist noch nicht passiert, wird aber kommen), stehen diese „Neuen Konservativen“ bereit, um ihr ein „Forum“ zu geben, weil man „das in einer Demokratie aushalten können muss“.

„Kann man jetzt nicht langsam mal wieder?“ Nein, kann man nicht!

Muss man das wirklich? Ich meine nicht – meine Eltern, Lehrer und die Autorinnen und Autoren der Jugendbücher können in diesem Punkt wirklich stolz auf mich sein: Die Erziehung hat funktioniert, in der Krise der deutschen Schuldkultur erweist sich mein Temperament als erstaunlich krisenfest! So sicher, wie ich sonst für jeden Post-Irgendwas-Theoriescherz zu haben bin, so sicher gehe ich in absolute Relativismusverweigerung, wenn es um die Geschichte meines Landes geht. Und darum, ob man „denn jetzt nicht langsam mal wieder …“ Nein, kann man nicht! Und wenn neun Stunden „Shoa“ nicht reichen, um das ein für alle mal klarzumachen, dann weiß ich’s auch nicht.

Man muss hierzulande kein eingefleischter Marxist sein, um den Sinn der Geschichtsschreibung darin zu sehen, dass sie Irrwege der Geschichte expliziert und Menschen mit einem Funken Herz und Verstand sagen lässt: „Nie wieder!“ Und zwar immer wieder. Und wenn nun also Leute daherkommen und sagen, es müsse nun „auch mal gut“ sein, dann habe ich immer kurzzeitig den Impuls, ihnen von meiner schuldgetränkten Jugend zu erzählen und sie sodann mit den Worten abzufertigen, mit denen auch unsere Großeltern ihre Geschichten von einem zeitlich nicht näher bestimmten „Früher“ beschlossen: „Hat es mir vielleicht geschadet???“

Gefühlschaos aus Mitleid und voyeuristischer Lust

Im letzten Moment beherrsche ich mich dann, denn ich bin ja viel zu ehrlich, um die Frage unserer den Führer im Früher unterschlagenden Großeltern für mich eindeutig mit „Ja!“ zu beantworten. Natürlich hat mir das alles geschadet! Wahrscheinlich habe ich sogar ein handfestes Dritte-Generation-Trauma und schreibe deshalb hier so konfuse Sachen. Meine Jugendlektüren – als erstes las ich im Alter von acht Jahren Judith Kerrs relativ harmloses ‚Als Hitler das rosa Kaninchen stahl‘ – waren das morbideste, was man sich nur vorstellen konnte – trotzdem fesselten sie mich wie sonst kaum was. Die Bücher stürzten mich zuverlässig in ein Gefühlschaos aus Mitleid und voyeuristischer Lust an der totalen Vernichtung. Das Gute aber war: Ich musste mich früh mit genau jenen Regungen meines Wesens kritisch auseinandersetzen. Ich merkte bald, dass ich den Dreck in mir trug. Nicht, weil ich Deutscher war. Aber weil ich Deutscher war, wurde ich rücksichtslos in diese Auseinandersetzung getrieben. Ich betrachte das heute als Privileg.

Wenn ich durch dieses Privileg eins über die Geschichte meines Landes gelernt habe, dann, dass sich neben allen Revisionismen und Verharmlosungen auch ausufernde dekonstruktivistische Eierschaukeleien à la „Was ist denn überhaupt ein Irrweg?“ verbieten. Wer schon als Kind auf Du und Du mit der Dichotomie „böse“ und „gut“ war und merkte, dass die Grenze einmal quer durch die eigene Familie und sogar durch die eigene Person verläuft, ist auf angenehme Weise etwas weniger tolerant gegenüber intoleranzverherrlichenden Toleranzausbeutern. Er kennt den Feind und nennt ihn so.

Man kann eben nicht alles „so und so“ sehen!

Ich kann mir inzwischen ganz gut denken, was sich meine Eltern gedacht haben, als sie Regalmeter um Regalmeter Krieg, Flucht und Vernichtung herbeischafften: Sie wollten aus ihren Kindern anständige Menschen machen (zumindest hoffe ich das mehr, als dass ich ihnen irgendeinen sado-masochistischen SS-Fimmel unterstellen würde). Sie wollten, dass wir aus der Geschichte „was lernen“, was Adorno angesichts der totalen Menschheitskatastrophe wohl für so deplatziert und naiv gehalten hätte wie ein Friedensliedchen von Joan Baez, aber das tut hier nichts zur Sache. Meine Eltern wollten zeigen, dass man nicht alles „so und so“ sehen kann, sondern manches auch mal nur „so“. Und dass es manchmal einfach keine Diskussion gibt, was denn nun „richtig“ und „anständig“ sei. Ich bewahre die Bücher auf. Für meine Kinder.

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